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Shakespeare enttarnt?
Wer von Shapiro eine endgültige Antwort oder einen hieb- und stichfesten Beweis für einen der Kandidaten erwartet, wird in Contested Will nicht fündig werden. Vielmehr kann man sich auf eine spannende und aufschlussreiche Reise in die Wissenschaftsgeschichte und die Geschichte der Shakespeare-Forschung freuen. Anhand der Theorien um William Shakespeare of Stratford, Francis Bacon und dem Earl of Oxford zeigt Shapiro, wie im Laufe der Jahrhunderte mit der mangelhaften Quellenlage zur Person Shakespeare umgegangen wurde und wie sich daraus wilde Verschwörungstheorien entwickelten. Als entscheidenden Prozess zu Beginn dieser Entwicklung macht er die Verehrung und Überhöhung des Autors Shakespeare als ‚Barden‘ aus: In dem Moment, in dem die Stücke als göttlich aufgefasst wurden, kam ein einfacher Bürger wie William Shakespeare of Stratford, als Urheber für viele nicht mehr in Frage und es begann eine Suche nach dem ‚wahren‘ Autor, die sich für gewöhnlich auf Vermutungen und Indizien stützte. Sehr interesant ist es dabei, zu beobachten, wie Forscher immer wieder von ihrer eigenen Geschichte, ihren Ansichten und Ressintiments geleitet wurden (und sicher auch heute noch werden) und dabei unter Umständen auch zu Mitteln wie Beweisfälschung und -unterschlagung griffen. Zusätzlich griffen immer wieder Amateure in die Diskussion ein und vergrößerten so deren Unübersichtlichkeit. Auch in anderer Hinsicht kann das Buch als Hilfsmittel zum kritschen Umgang mit Wissenschaft dienen, wenn am Beispiel Shakespeare klar wird, wie methodologische und theoretische Trends sich direkt in der jeweils gewonnenen Erkenntnis niederschlagen. Selbst wenn man also an der Autorschaftskontroverse selbst nicht besonders interessiert ist, kann man hier lernen, eigene Erkenntnisbildungsprozesse kritisch zu hinterfragen. Das abschließende Wort zur Debatte kann und will Shapiro, wie schon erwähnt, hier nicht sprechen. Er selbst ist, das macht er klar, Anhänger des William Shakespeare of Stratford und versucht diese Position auch zu belegen, räumt aber ein, dass er keine besseren Beweise hat, als die Forscher vor ihm. Wirft man einen Blick auf die Kommentare bei amazon.com, wird auch schnell klar, dass eingefleischte Anhänger anderer Kandidaten sich davon nicht überzeugen lassen und oft Shapiro selbst eine tendenziöse Beschönigung seiner Position vorwerfen. Bisher liegt Contested Will noch nicht in deutscher Übersetzung vor, ist jedoch problemlos im Original erhältlich. (Nele Solf) James Shapiro: Contested Will. Who Wrote Shakespeare? Simon&Schuster 2010. 340 S. 18,99€
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Aktuelle Notizen


Liebe Frau Solf,
wären Sie nicht leicht verstimmt, wenn ich Sie als "Frau Sölf" anreden würde? Nun, so macht es Shapiro in seinem Buch: Er spricht von Sigmund Freuds Korrespondenten Dr. Wilhelm Fließ durchweg als "Wilhelm Fleiss". Sein Buch enthält eine Menge weiterer Sachfehler, die mit einem Anstrich der Redlichkeit und Nachdenklichkeit übertüncht werden. Sie sind detailliert in meinem Buch "Will: Wunsch und Wirklichkeit" nachgewiesen. Das Buch stellt eine überarbeitete Fassung des "Shapiro-Tagebuches" auf der o.a. Webseite dar. Shapiro setzt auf die Unwissenheit seiner Leser, auch bei Ihnen hat er damit Erfolg.