| Will – Wunsch und Wirklichkeit |
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Will – Wunsch und Wirklichkeit Im letzten Heft erschien eine Rezension von James Shapiros Monografie Contested Will. Who wrote Shakespeare? über den Autorschaftsstreit um William Shakespeare. Bald nach Veröffentlichung der Rezension erschienen auf unserer Webseite Kommentare des Oxfordianers Robert Detobel. Kurz darauf kontaktiert Detobel eine Redakteurin privat, um ihr seine Sicht auf Shapiros Buch zu erläutern. Detobel erzählte auch von seinem kürzlich erschienenen Buch Will – Wunsch und Wirklichkeit, in dem er Shapiro Fehler und Ungenauigkeiten nachweise. Daraufhin beschloss die Redaktion, diesem so angepriesenen Buch eine Anschlussrezension zu widmen. Nicht zuletzt deshalb, weil Detobels Position den Verlauf der Debatte um die Autorschaft, wie er in der ersten Rezension geschildert wurde, so treffend veranschaulicht. Zur besseren Orientierung sollte die Shapiro-Rezension gelesen werden, sie ist HIER verlinkt.
Im ersten Abschnitt widmet sich Detobel vor allem dem Nachweis von Fehlern bei Shapiro. Die Monografie wird ausführlich unter die Lupe genommen, Fehler werden entdeckt, Ungenauigkeiten entlarvt, Häme wird dem Autor zuteil: In einem Kapitel rügt Detobel noch zu Recht Shapiros Methode, anti-Stratfordianer psychopathologisch zu diskreditieren. Im nächsten Kapitel schreibt er allerdings eine kleine Szene, in der zwei ehemalige Richter des Obersten Gerichtshofes der USA (die öffentlich ihre Zweifel an der klassischen Autorschaftsthese bekundet hatten) mit Shapiro diskutieren, ihn argumentativ in die Ecke drängen, woraufhin er (Detobels Phantasie-Shapiro) mit einer schwachen Ausrede verschwindet und das Feld den Zweiflern überlässt. Dies ist nicht die einzige Stelle, an der Detobel die postulierte wissenschaftliche Präzision abhanden kommt: Oft gerät er ins Phantasieren, Spekulieren und Mutmaßen, was besonders unangenehm auffällt, wenn er Shapiro genau diese Verfahrensweisen mehrfach ankreidet. Ich würde mir irgendwo noch ein Sätzchen dazu wünschen (ganz knapp) welche Positionen Stratfordianer einer- und Oxfordianer andererseits eigentlich vertreten. Robert Detobel: Will – Wunsch und Wirklichkeit. Uwe Laugwitz 2010. 334 S. Ca. 19€
Kommentare (12)
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Aktuelle Notizen


Nun, die Stelle mit dem Traum, in dem ich Shapiro mit zwei US-Bundesrichtern diskutieren lasse, ist ja deutlich genug als Fiktion gekennzeichnet. Sachlicher Kern der Argumentation ist: Henry Chettles Apologie ist bisher ohne Kenntnis des rechtshistorischen Hintergrundes analysiert worden.
Was das „Phantasieren, Spekulieren, Mutmaßen“ betrifft: ohne ein gewisses Maß zur Füllung der Lücken kommt man nicht aus. Man muss das dann nur kenntlich machen. Das habe ich getan. Wenn ich es nicht überall getan haben sollte, wäre es fair (und wissenschaftlich) gewesen, einige Beispiele zu nennen.
Als Beispiel können Sie nicht meine Mutmaßung anführen, Shakespeares Sonett 105 könnte eine Antwort auf den Vorwurf des Jesuiten-Dichters Robert Southwell gewesen sein. Das ist eine Mutmaßung, allerdings eine, die einen Erklärungsgehalt besitzt. Sie ist ja begründet worden. Bewiesen ist sie nicht. Das wurde freilich auch nicht behauptet.
Haben Sie in letzter Zeit etwas über das Hoggs-Teilchen in der Physik gelesen? Seine Existenz würde eine theoretische Lücke füllen. Einstweilen bleibt seine Existenz Spekulation, Mutmaßung. Vielleicht stellt es sich einmal als Phantasie heraus. Vielleicht auch nicht. Nicht zu mutmaßen, zu spekulieren hieße Stillstand.