| Inhaltlicher Überblick Heft 4 |
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Die acht wissenschaftlichen Beiträge dieser vierten Ausgabe der „Anwesenheitsnotiz“ gruppieren sich um zwei Schwerpunkte: Während die eröffnenden Arbeiten gesellschaftliche und ästhetische Phänomene am Ort ihres Erscheinens betrachten, nehmen sich die darauffolgenden fünf Beiträge jeweils einer philosophischen oder literarischen Vorlage an, um ihre Überlegungen zu explizieren. Am Anfang steht Kevin Ricks Arbeit „Das exzentrische Du und seine Sicht auf die Entnahme von Organen“ zum Thema der Organexplantation aus Sicht der Angehörigen des Verstorbenen. Anhand von Helmuth Plessners Anthropologie und der Theorie der ‚phänomenalen Lebendigkeit‘ wird deren existenzielle Situation im Falle einer Organentnahme geschildert und in der Konsequenz die Befragung der Angehörigen zur Organentnahme im Falle fehlender Verfügungen des Verstorbenen kritisch reflektiert. In einer scharfen Wende vom existenziellen Ernst zum existenzialistischen Spaß führt uns anschließend Christoph Sternberg in die Berliner Technoszene, in der in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts Einiges passierte. Diverse Strömungen und Lebenswege haben sich daraus entwickelt. Diese Erscheinungen sowie veränderte Verhaltensweisen der Technoanhänger untersucht er in dem Beitrag „Unsere Welt ist Schall – Themen der individuellen Reifung in der Technokultur“. Vom Club auf die Theaterbühne geht es dann mit dem Essay „Ein Versuch über das Schweigen zu sprechen. Überlegungen zur Performativität des Schweigens“ von Tatjana Kijaniza. Sie untersucht das Wirkpotenzial des Schweigens als künstlerischer Figur im theatralen Kontext. Im zweiten Teil schreibt zunächst Christoph Witt, gleichzeitig Illustrator des Heftes, über den Technikbegriff bei Martin Heidegger. Technik wird hier verstanden als ein spezifischer Blick auf die Welt, der Gegenstände, Prozesse und letztlich sogar Personen nur noch hinsichtlich ihres Nutzens und ihrer Verwertbarkeit betrachtet. Die scheinbare Neutralität eines technischen Blicks wird in dem Beitrag „Martin Heidegger und die Technik als Blick auf die Welt“ so als eine ganz bestimmten Werten verpflichtete Perspektive unter anderen entlarvt und die Gefahr ihres Exklusivitätsanspruchs als eine Verengung unserer Weltwahrnehmung beschrieben. In dem ebenfalls philosophisch orientierten Beitrag „Die Wiederholung als ästhetisches Prinzip. Überlegungen zur Bedeutung der Wiederholung im Werk Søren Kierkegaards und Adalbert Stifters“ widmet sich Luzia Goldmann dem oft konstatierten, aber selten vertieften Phänomen der Wiederholung im Werk Stifters. Auf Grundlage der philosophischen Überlegungen Kierkegaards entwickelt sie exemplarisch an drei Passagen aus dem Roman Witiko eine Interpretation – was auf den ersten Blick als quälende Redundanz erscheinen mag, gewinnt unter dieser Perspektive ästhetische Funktion und Relevanz. Godwin Kornes untersucht in seiner Arbeit „Des/Orientierung, spielend. Michael Roes’ Roman Leeres Viertel als Dokument der reflexiven Ethnologie“ eine Spielart des ethnographischen Schreibens in der Literatur. Mit Claude Lévi-Strauss, Clifford Geertz und anderen zeichnet er die Entwicklungen um den ‚reflexive turn‘ nach und findet im Roman des Ethnologen Roes deutliche Merkmale postmoderner Ethnographien. Dann wird es geschichtsphilosophisch: Danton und Robespierre – die beiden Hauptcharaktere aus dem Revolutionsdrama Dantons Tod von Georg Büchner, die unterschiedlicher nicht sein könnten? Christian Schneebeck untersucht in der Arbeit „Geschichtsphilosophie und Revolutionsbild in Georg Büchners Dantons Tod“ die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Charakterzügen der beiden Revolutionäre und bietet einen geschichtsphilosophischen Zugang zum Werk an. Den Abschluss bildet Robert Grunenberg, der in „Identität und Transformation. Zur Konzeption von Raum in Robert Musils Die Amsel“ eine raum-semantische Analyse von Musils bekannter Erzählung unternimmt. Mit Hilfe der Terminologie Juri Lotmans gelingt es ihm, zentrale Momente räumlicher Transformation im Hinblick auf ihr Verhältnis zur Narration zu deuten. Die Arbeit zeigt exemplarisch den Erklärungswert der unter dem Schlagwort ‚spatial turn‘ zusammengefassten Theorien in der zeitgenössischen Literaturwissenschaft auf. Der Beitrag in der Rubrik „Position & Perspektive“ kommt von der Künstlerin Schirin Kretschmann, die derzeit mit einem künstlerisch-wissenschaftlichen Projekt zum Thema „Grenzbereiche der Malerei im dreidimensionalen Bildraum“ promoviert. Sie bringt uns das Prinzip einer künstlerischen Forschung nahe und stellt damit die altbekannte Trennung von Theorie und Praxis infrage. Zum Stand der Dinge in der Kulturwissenschaft äußern sich in der Rubrik „State of the Art“ die Professoren Christian Kassung (Humboldt-Universität zu Berlin) und Bernd Stiegler (Universität Konstanz). Zwar ist beiden der Ansatz gemeinsam, ihr Fach als „grenzgängerische Disziplin“ zu beschreiben, doch ergibt sich aus der Parallelführung zweier Positionen zur scheinbar selben Sache wieder der Divergenz-Effekt, der dieser Rubrik eigen ist. Zwar ist beiden der Ansatz gemein, ihr Fach als „grenzgängerische Disziplin“ zu beschreiben. Doch ergibt sich aus der Parallelführung zweier Positionen zur scheinbar selben Sache wieder der Divergenz-Effekt, der dieser Rubrik eigen ist; nicht zuletzt dann, wenn es um die Fragen nach den Feinheiten geht – zum Beispiel jener, ob wir es mit der Kulturwissenschaft oder den Kulturwissenschaften zu tun haben.
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